Urba · Boscéaz

Die Geschichte eines ländlichen Palasts

Von den ersten neolithischen Böden zur Villa von 170, von mittelalterlichen Steinbrüchen zu den Grabungen der Universität Lausanne.

160–180 n. Chr.

Eine pars urbana von zweihundert Metern

Die Villa von Orbe-Boscéaz ist kein Bauernhof. Sie ist ein ländlicher Palast: über zweihundert Meter Fassade, Lusthöfe, Privatthermen, ein Mithräum. Neun von hundert Sälen sind mit Mosaiken gepflastert.

Man ist in der Civitas der Helvetier, auf einem fruchtbaren Plateau, in Reichweite der Straße nach Aventicum. Der Herr des Gutes hat die Mittel eines Senators — oder eines Vornehmen, der ihm nahekommt.

Die alamannischen Einfälle machen dem Bau den Garaus. Die Mauern werden Steinbruch. Die Böden, zu schwer zum Forttragen, bleiben.

Vom Neolithikum zur Restaurierung

Der Ort war lange vor Rom besiedelt und wurde nie aufgehört, neu gelesen zu werden.

  1. Neolithikum

    Erste Böden

    Besiedlung ab dem Neolithikum belegt, dann Bronzezeit und jüngere Eisenzeit.

  2. 160–180

    Die Villa

    Hauptbau der pars urbana, Thermen, Mithräum, Mosaiken.

  3. 1841

    Wiederentdeckung

    Erste Mosaiken freigelegt. Triton und Labyrinth folgen 1845.

  4. 1896

    Wissenschaftliche Grabung

    Albert Naef leitet die ersten Kampagnen. 1900 unter Denkmalschutz.

  5. 1976

    Luftbild

    Fotos zeigen die Größe des Gutes: 16 Hektar, 200 Meter Fassade.

  6. 1986–2004

    Lausanne

    Die Universität Lausanne gräbt die gesamte pars urbana und findet Achilleus auf Skyros (1993).

Man hat die Mosaiken nicht ins Museum getragen. Man hat das Museum um sie gebaut.

Hélène Vuilleumier

Erhaltung

Eine Baustelle, die nie fertig ist

Der Boden Achilleus auf Skyros, 1993 entdeckt, wartet noch auf die volle Präsentation. Man zeigt ihn selten, und immer als Arbeit in Gang.

Die anderen Böden, in fünf Holz-und-Glas-Pavillons öffentlich, werden Saison um Saison überwacht: Frost, Feuchte, Salz, Licht. Ein Mosaik in situ ist kein Gemälde. Es ist ein Klima.

Das Museum erzählt auch das: Geduld, Bürsten, Aufnahmen, die Weigerung, «zu viel zu restaurieren».

Die neun Böden

Jedes Mosaik hat einen Namen, einen Pavillon, eine Fundgeschichte — manchmal Plünderung, manchmal Wiederentdeckung.